Lebergesundheit

Die Leber (lat. Hepar, daher auch Hepatologie....die Lehre von den Lebererkrankungen) wiegt durchschnittlich 1500 Gramm und ist unser wichtigstes Stoffwechselorgan. Im rechten Oberbauch unter dem Rippenbogen gelegen grenzt sie an das Zwerchfell. In der Leber starten gleichzeitig ungefähr 500 verschiedene Stoffwechselwege, um Angeliefertes um- oder abzubauen, zu speichern und andere Stoffe aus kleinsten Einheiten neu zu bilden. In den Leberzellen werden Eiweiße wie Blutplasmaproteine und Gerinnungsfaktoren, aber auch Gallensäuren und Cholesterin hergestellt. Vitamine und Glykogen, die Speicherform von Kohlenhydraten, werden in der Leber ebenso wie Eisen auf Vorrat deponiert.

Andere Stoffe wie Cholesterin oder Gallensäuren, aber auch Medikamente und Gifte (Alkohol, Umweltgifte oder Schwermetalle) werden verstoffwechselt und ausgeschieden: Neben den Nieren ist die Leber das wichtigste Ausscheidungsorgan des Körpers. Auch an der Immunabwehr ist sie beteiligt und beseitigt Bakterien oder zerlegten Zellmüll. Die aus Gallensäuren und Abbauprodukten produzierte Gallenflüssigkeit (umgangssprachlich „Galle“ genannt) wird in der Gallenblase gespeichert und über den Darm abtransportiert.

Wer so viele Aufgaben hat, ist lebenswichtig - und dabei ist die Leber beeindruckend „robust“: Erst wenn mehr als 90% der Leberzellen zerstört sind, kann nur noch eine Lebertransplantation helfen.

 

 

Häufige Erkrankungen der Leber


Die Leber ist sehr widerstandsfähig und kann auch dann noch ihre Aufgaben erfüllen, wenn sie teilweise geschädigt ist. Zudem kann sie Schäden sehr gut reparieren, solange diese nicht zu schwerwiegend sind. Werden Leberschäden jedoch zu spät erkannt, können diese nicht mehr rückgängig gemacht werden. Die Leber enthält selbst keine Nerven, Druckschmerz unter dem rechten Rippenbogen oder Oberbauchkrämpfe als Folge von Lebererkrankungen entstehen vielmehr durch Spannung der Bindegewebskapsel, die die Leber umhüllt. Eine typische Begleiterscheinung von Lebererkrankungen sind Müdigkeit und Leistungsabfall. Deshalb bezeichnen Mediziner auch „Müdigkeit als den Schmerz der Leber". Außerdem leiden Menschen mit einer Erkrankung der Leber häufig unter einer gestörten Blutgerinnung, da ihre Leber die dafür notwendigen Eiweiße nicht mehr ausreichend produziert.
Eine Blutuntersuchung ist ein wichtiges Hilfsmittel zur Diagnose von Lebererkrankungen Bei einer Schädigung der Leber gelangen typische Eiweiße aus den Zellen ins Blut. Erhöhte Leberwerte geben dem Arzt deshalb wertvolle Hinweise auf Art und Ausmaß der Erkrankung.
Übersicht Erkrankungen:


Gelbsucht
Hepatitis
Primär biliäre Zirrhose
Primär sklerosierende Cholangitis
Leberzirrhose
Schäden durch Alkohol
Akutes Leberversagen
Tumoren
Alveoläre Echinokokkose
Zystische Echinokokkose
Gelbsucht


Bei Gelbsucht (Ikterus) färben sich die Haut, Schleimhäute und die Lederhaut der Augen gelb. Die gelbe Farbe wird durch Ablagerung von Bilirubin in den Geweben verursacht. Gelbsucht ist also keine Erkrankung, sondern ein Symptom, das auftreten kann, wenn übermäßig viele rote Blutkörperchen zerfallen, die Leberfunktion zerstört oder der Abfluss der Galle durch Gallensteine blockiert ist.
Gelbsucht kann viele Ursachen haben, häufig tritt sie bei Erkrankungen der Leber, der Gallengänge oder der Bauchspeicheldrüse auf, z. B. bei einer Leberentzündung (z. B. Hepatitis A, B oder C), einer Leberzirrhose, bei Störungen des Galleabflusses durch Gallengangsteine oder bei einem bösartigen Tumor der Bauchspeicheldrüse (Pankreaskarzinom). Die Gelbfärbung von Haut, Schleimhäuten und Lederhaut der Augen geht zurück, wenn die Ursache der Gelbsucht behandelt wird.
Hepatitis


Eine Hepatitis ist eine Entzündung der Leber. Die Ursachen der Entzündung sind vielfältig: Viren, Bakterien, Parasiten oder Pilze, Alkohol und andere Giftstoffe, Medikamente, angeborene Störungen, Strahlentherapie, Entzündungen der Gallenwege u.a. Man unterscheidet eine akute von einer chronischen Hepatitis. Welche Beschwerden die Hepatitis verursacht, wie die Krankheit verläuft und wie sie behandelt wird, hängt von der auslösenden Ursache ab. Typische Symptome einer Hepatitis sind die Gelbsucht, Müdigkeit und manchmal Juckreiz.
Primär biliäre Zirrhose (PBC „primäre nichteitrige destruierende Cholangitis")
Die primär biliäre Zirrhose  ist eine chronische Entzündung der Gallenwege (Cholangitis). Die Ursache dafür ist unbekannt. Über 90% der Patienten sind Frauen, meist sind sie älter als 40 Jahre. Am Anfang treten wenige Beschwerden auf, später kommt es zu Juckreiz, Müdigkeit, Leistungsabfall und Verdauungsstörungen. Die Krankheit kann nicht geheilt werden, lediglich ihre Symptome können mit Medikamenten behandelt werden.
Primär sklerosierende Cholangitis


Die primär sklerosierende Cholangitis ist eine Entzündung der mittleren und größeren Gallenwege mit unbekannter Ursache. Bis zu 60% der Patienten leiden gleichzeitig unter einer Colitis ulcerosa. Die Patienten haben Juckreiz und Oberbauchbeschwerden. Später kann es zu Gewichtsverlust oder Gelbsucht kommen. Die Krankheit kann nicht geheilt werden, gegen die Beschwerden (z. B. Juckreiz) werden Medikamente gegeben. Gallengangkrebs kann langfristig die Folge sein.
Leberzirrhose


Eine Leberzirrhose ist das Endstadium vieler chronischer Lebererkrankungen. Am häufigsten wird eine Leberzirrhose durch ständigen übermäßigen Alkoholkonsum oder Viren im Rahmen einer Leberentzündung (Hepatitis) hervorgerufen. Bei der Zirrhose wird das normale Drüsengewebe der Leber umgebaut: Es bilden sich Knoten und das Drüsengewebe wird durch Bindegewebe ersetzt. Die Sinusoide und kleinen Gefäße können deshalb kein Blut mehr abtransportieren. Da durch die Leberarterie und die Pfortader jedoch weiterhin Blut in die Leber strömt, staut sich dieses vor der Leber. Dadurch erhöht sich der Druck in den Blutgefäßen, insbesondere in der Pfortader (Pfortaderhochdruck oder portale Hypertension). Außerdem kann eine „fortgeschrittene" Leberzirrhose zu einer Gelbsucht führen.  
Manchmal bilden sich neue Blutgefäße und das Blut aus der Pfortader wird über „Umgehungskreisläufe" an der Leber vorbei zum Herzen geleitet. Dann kann das Blut nicht entgiftet werden und die Leber nimmt nicht alle Nährstoffe auf, die aus dem Darm in die Pfortader gelangt sind. Bei einer fortgeschrittenen Leberzirrhose können die giftigen Substanzen ins Gehirn gelangen und dort zunächst zu Konzentrationsstörungen, Zittern, Muskelzuckungen, Gangunsicherheit, psychische Veränderungen und ständige Schläfrigkeit verursachen und später sogar zum Koma führen.
Eine Leberzirrhose entwickelt sich schleichend, oft wird sie erst in einem späten Stadium erkannt. Die wichtigste Therapiemaßnahme ist, die Grundkrankheit zu behandeln.
Schäden durch Alkohol


Regelmäßiger starker Alkoholkonsum schädigt den ganzen Körper und in besonderem Maße auch die Leber. Als Folge wird in die Leber Fett eingelagert. Kommt zu einer solchen Fettleber eine Entzündung dazu, wird dies als alkoholische Fettleber-Hepatitis bezeichnet. Bei langjährigem Alkoholkonsum kann sich eine Leberzirrhose entwickeln. Als tägliche Schwellendosis für risikoarmen Alkoholgenuss gilt eine Menge von einem halben Liter Bier bzw. einem viertel Liter Wein für Männer und ein viertel Liter Bier bzw. ein achtel Liter Wein für Frauen.
Akutes Leberversagen


Bei einem akuten Leberversagen oder akuter Leberschwäche ist die Funktion der Leber plötzlich gestört, ohne dass der Patient vorher eine Lebererkrankung hatte. Am häufigsten wird das akute Leberversagen durch eine Infektion der Leber mit Viren (Hepatitis) oder durch giftige Stoffe wie Medikamente, Drogen, Knollenblätterpilze oder Chemikalien hervorgerufen. Die Patienten bekommen Gelbsucht, haben Gerinnungsstörungen, werden schläfrig oder fallen ins Koma. Die Krankheit muss sofort behandelt werden. Ist die Leber stark geschädigt, bleibt unter Umständen nur noch eine Lebertransplantation als Ausweg.
Tumore


Es gibt gutartige und bösartige Tumore der Leber. Der häufigste gutartige Tumor ist das Hämangiom der Leber. Andere gutartige Lebertumoren sind das Leberadenom oder die fokale noduläre Hyperplasie (FNH). Meist werden die Tumoren per Zufall entdeckt. Große Tumoren werden in einer Operation entfernt. Bösartige Tumoren können entweder in der Leber selbst entstehen (hepatozelluläres Karzinom = primäres Leberzellkarzinom, Angiosarkom oder Hepatoblastom) oder Tochtergeschwülste (Metastasen) von bösartigen Tumoren an anderen Stellen im Körper sein, z. B. von einem Krebs im Darm oder in der Brust.
Alveoläre Echinokokkose


Die alveoläre Echinokokkose ist eine Infektion des Körpers mit dem Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis). Der Parasit wird durch Füchse, Hunde oder Katzen übertragen. Die Infektion breitet sich in der Leber wie ein bösartiger Tumor aus und kann die Leber zerstören. Die betroffenen Teile der Leber müssen, wenn möglich, operativ entfernt werden.
Zystische Echinokokkose


Die zystische Echinokokkose wird durch den Hundebandwurm (Echinococcus granulosus) hervorgerufen. Nach Durchdringen der Darmwand gelangen die „Hakenlarven" überwiegend über die Pfortader in die Leber. Sie können aber auch über den Blutkreislauf direkt andere Organe (Lunge, Milz, Hirn, Nieren) erreichen. Wenn möglich sollten die Zysten chirurgisch entfernt werden, alternativ kann der Arzt Albendazol zur Behandlung verabreichen.

Wie hält man die Leber mit Naturheilkunde gesund?

Bis heute konnte die Schulmedizin keine Medikamente zur Stärkung einer angeschlagenen Leber entwickeln. Daher greift auch sie auf die bewährten pflanzlichen Mittel der Naturheilkunde zurück.

Bitterstoffe erleichtern die Fettaufspaltung

Heilpflanzen wie Wermutkraut und Löwenzahn sind reich an Bitterstoffen. Diese Substanzen unterstützen die Fettverdauung und entlasten dadurch die Leber. Aber die leberschützenden Stoffe sind auch in einigen Gemüsesorten enthalten.

Essen Sie daher häufiger folgende Nahrungsmittel:

  • Radicchio

  • Oliven

  • Eisbergsalat

  • Chicorée

Die Wirkung der Artischocke auf die Leber

Artischocken wirken wie eine Kur auf die Leber. Ebenso kann der Artischockenblätterextrakt die Leber schützen oder ihre Regeneration anregen.

Was bewirkt die Artischocke?

  • Beschleunigung der Ausscheidung von Giftstoffen

  • Bekämpft freie Radikale. – Vor allem der Artischockenblätterextrakt soll zu den wirksamen Radikalfängern gehören.

Durch die Einnahme von Artischockenblätterextrakt lassen sich erhöhte Leberwerte in vielen Fällen wieder senken.

Mariendistel für eine gesunde Leber

Eine noch wirkungsvollere Leber schützende Heilpflanze ist die Mariendistel (Silybum marianum).

Aus ihren Früchten wird ein Präparat gewonnen, das selbst bei schweren Leberschäden noch eine heilende Wirkung hat. Die enge Verwandte der Artischocke ist gegen viele verschiedene Lebergifte wirksam. Der aus ihr gewonnene Wirkstoff Silymarin kann nach wissenschaftlichen Erkenntnissen bereits nach kurzer Zeit erhöhte Leberwerte normalisieren.

Sogar bei einer sehr weit fortgeschrittenen Leberzirrhose lassen sich die Aussichten durch eine Silymarin-Behandlung deutlich verbessern. Bei schweren Lebererkrankungen ist Alkoholverzicht oberstes Gebot.

Präparate aus Mariendistel als auch aus Artischocken sind im Drogeriemarkt, Reformhaus und in der Apotheke erhältlich.

 

Tee-Rezepte für eine gesunde Leber

Kräuter aus der Pflanzenheilkunde haben sich zur Entgiftung und Stärkung der Leber bewährt und werden auch weiterhin empfohlen.

Leber-Entgiftungstee

  • Überbrühen Sie 2 TL getrocknetes Löwenzahnkraut mit 200 ml kochendem Wasser.

  • Lassen Sie den Ansatz 10 Minuten ziehen.

  • Trinken Sie den Tee nach dem Abseihen 2 Mal täglich zwischen den Mahlzeiten.

Leber-Stärkungstee

  • Übergießen Sie 2 TL zerstoßenen Mariendistelsamen und einige getrocknete Pfefferminzblätter mit 250 ml kochendem Wasser.

  • Sieben Sie den Tee nach 15 Minuten ab

  • Trinken Sie täglich 1 Tasse davon.

Leber-Reinigungstee

  • Überbrühen Sie jeweils 1TL Pfefferminzblätter, Tausendgüldenkraut, Wermutkraut und Löwenzahnwurzel mit 400 ml kochendem Wasser.

  • Trinken Sie den abgeseihten Tee als Kur 1 Woche lang täglich 3 Mal.

Vorbeugen und Heilen mit Ayurveda

Ein großer Teil der Bevölkerung ist mit einer chronischen Entzündung belastet. Auf Dauer kann es dadurch zu tiefgreifenden Veränderungen des Organismus kommen, die sich meist wenig oder gar nicht unmittelbar bemerkbar machen. Selbst von Ärzten wird der Zusammenhang zwischen der chronischen Entzündung, die von den Zähnen und dem Zahnfleisch ausgeht, und einer schweren Erkrankung in der Regel nicht erkannt. ,,Vermeide die Gefahr, bevor sie entstanden ist!” Das ist ein wesentliches Thema des Ayurveda in diesem Zusammenhang, nämlich die Vorbeugung gegenüber Krankheiten und schleichender Degeneration.

 

Was Entzündungen begünstigt

Ein schwülwarmer Sommertag – es war vor vielen Jahren während meines Studiums, die leitende Zahnärztin kam in den Behandlungsraum und sagte:

“Das ist wieder typisches Abszesswetter, da werden die Patienten kommen.”

Die meisten Studenten dachten, was hat dieses Wetter mit den Zähnen und mit Abszessen zu tun? Aber die Zahnärztin hatte tatsächlich recht, es kamen mehr Patienten mit Entzündungen, dicken Backen und entsprechenden Beschwerden. Der Ayurveda sieht die Beziehung des Menschen zum Kosmos wie die einer Zelle zum gesamten Körper. Die Doshas Vata, Pitta und Kapha, die in Geist und Körper wirken, sind dieselben, die auch das ganze Universum steuern und natürlich auch unser Wetter. Alles ist ein zusammenhängendes Ganzes. Albert Einstein, der Begründer der Relativitätstheorie, sagte einmal dazu:

“Wir erfahren uns alle in Raum und Zeit als getrennt von allem anderen, aber das ist einfach eine optische Täuschung unseres Bewusstseins.“

Ebenso beschreiben es die Veden im 10. Mandala des Rig-Veda:

“…wisset dass euer Geist mit allen anderen zusammenwirkt ebenso wie die Impulse der kreativen Intelligenz am Anfang, nahe der Quelle, miteinander vereinigt bleiben.”

Es ist interessanterweise zu beobachten, dass Abszesse, Entzündungen und Eiterungen besonders im Frühjahr und Sommer (Kapha- und Plttazeit des Jahres) auftreten.

Im Frühjahr kommt es zu Ama-Problemen, da sich das Kapha Dosha über den Winter vermehrt angesammelt hat und sich nun bei zunehmender Sonneneinstrahlung zu lösen beginnt. Das äußert sich in vermehrtem Schleim, Erkältungen, Infekten, Heuschnupfen etc. Im Sommer nimmt Pitta Dosha zu. Mehr Wärme bietet den Bakterien bessere Wachstumsbedingungen. Eine Entzündung kann entstehen, wenn sich vermehrt Unverdautes (Arna) angesammelt hat, eine Verschleimung des Organismus, eine Zunahme von Kapha, vorhanden ist. Stoffwechselprodukte, Schlacken können nicht mehr richtig entsorgt werden; es kommt zu einer Übersäuerung (Pitta-Vermehrung). Eine Entzündung ist mit einer Zunahme von Wärme (dem Feuerelement von Pitta) verbunden. Ursächlich können alle drei Doshas an einer Entzündung beteiligt sein.

Je mehr Ama vorhanden ist, Je mehr die Doshas Kapha und Pitta zunehmen, je weniger Ojas vorhanden ist, desto eher kann es zu einer Entzündung und Schwellung kommen. Eine Störung des Blutes (Rakta Dhatu) ist meist ursächlich damit verbunden. Im Verlauf einer Entzündung kann es zur Bildung von Eiter kommen, ein irreversibles Endstadium einer Entzündung, das mit einer Einschmelzung von Gewebe einhergeht. Der Körper hat Schwierigkeiten, den Eiter abzubauen. Es kann zur Bildung einer Fistel kommen, ein Ausleitungsgang an die Körperoberfläche, über den der Organismus versucht, den Elter zu entleeren.

Gesundheitliche Gefahren durch chronische Parodontitis?

In diesem Rahmen möchte ich auf eine sehr wichtige chronische Form der Entzündung eingehen, die etwa 70 % aller Bundesbürger betrifft: die chronische Parodontitis, die besonders das Zahnfleisch betrifft. Hierbei sammeln sich Bakterien in dem Spalt zwischen Zahnfleisch und Zahn. Die Ansammlung von Bakterien hängt zusammen mit einer Zunahme von Ama, einer Abnahme von Ojas und einem vermehrten Ungleichgewicht der Doshas. Meistens haben die Patienten keine Schmerzen und bemerken davon wenig bis gar nichts. Die Bakterien können sich im Laufe der Zeit in die Tiefe vorarbeiten. Dabei kommt es zu einer Auseinandersetzung mit den Abwehrzellen, wobei der Zahnhalteapparat – die Fasern, die den Zahn im Knochen festhalten – zerstört werden kann. Knochen und Zahnfleisch werden abgebaut.

Ich hatte schon des Öfteren Patienten, die morgens plötzlich mit dem Zahn in der Hand in der Praxis standen und sagten: “Herr Doktor, es hat überhaupt nicht wehgetan.” Das ist dann das Endstadium einer chronischen Zahnfleischentzündung. Die typischen Entzündungssymptome sind hier meist nur unterschwellig vorhanden im Gegensatz zur akuten Entzündung. Im Verlauf dieser stillen Entzündung können Bakterien ihre Toxine in die Blutgefäße geben oder schlimmstenfalls selbst in die Blutbahn gelangen. Von hier aus haben sie die Möglichkeit, in andere Organe zu kommen und dort Veränderungen der Gefäßwände zu verursachen. Das führt dazu, dass diese Organe nicht mehr richtig durchblutet werden, also nur noch eingeschränkt funktionieren oder im schlimmsten Fall ein Gefäßverschluss entsteht. Auf diese Art und Weise kann ein Herzinfarkt oder ein Schlaganfall zustande kommen. Diese Zusammenhänge sind erst in den letzten Jahren Wissenschaftlich dokumentiert worden. Ein weiteres Beispiel für chronische Entzündungen sind sogenannte “tote” Zähne mit Herdwirkung. Es würde zu weit führen, auf die vielen verschiedenartigen Entzündungen einzugehen. Entscheidend ist: Was kann ich tun, um die Entstehung einer Entzündung zu vermeiden? Welche unterstützenden Möglichkeiten bietet der Ayurveda, wenn die Entzündung bereits da ist?

Ayurvedische Prophylaxe und Therapie

Prophylaxe und Therapie sind: Ama reduzieren, Ojas förd

ern, Doshas ausgleichen. Da eine Entzündung mit einer Zunahme von Pitta einhergeht, ist z.B. Kühlung in der Regel mildernd. Die therapeutischen Maßnahmen sollten zuerst die gestörten Doshas, dann die Doshas der Jahreszeiten und zuletzt die individuelle Konstitution beachten. Die systematische Behandlung der chronischen Parodontitis kann nur Von einem Zahnarzt durchgeführt werden. Alle ayurvedischen Maßnahmen sind begleitend und unterstützend. In der Charaka Samhita heißt es:

„Patienten mit einer Schwellung sollten folgendes meiden: Fleisch von Haustieren, Tieren, die im oder auf dem Wasser leben und im Sumpf, die schwach sind, getrocknetes Gemüse, neues Getreide, grobe Zubereitungen, Zubereitungen mit feinem Mehl, Quark, Sesamzubereitunqen, schleimige Substanzen, Wein, saure Substanzen, geröstete Gerste etc., getrocknetes Fleisch, Nahrung, die aus Gesundem und Unqesundem gemischt ist, schwere ungeeignete und brennende Nahrung, tagsüber schlafen und Geschlechtsverkehr.”

Ernährungs- und Verhaltensmaßnahmen

Die meisten gesundheitlichen Probleme kann man sehr günstig beeinflussen, wenn man die Tagesroutine beachtet, die Ernährung entsprechend umstellt und Kräuterpräparate anwendet. Hippokrates, der Vater der abendländischen Heilkunde, sagte dazu:

,,Eure Nahrungsmittel sollten eure Heilmittel sein und eure Heilmittel eure Nahrungsmittel.”

Eine sehr wichtige Zeitspanne im Laufe der Jahreszeiten ist die Zeit von Aschermittwoch bis Ostern. In der christlichen Tradition gilt dies als Fastenzeit, in der man auf Süßigkeiten und Fleisch verzichtet. Beides vermehrt bekanntlich Kapha und damit Ama. Das Wissen, dass in dieser Zeit besondere Naturgesetze lebendig sind, die die Entschlackung von Geist und Körper unterstützen wie zu keiner anderen Jahreszeit, stammt ursprünglich aus der germanischen Tradition. Jeder Wechsel der Jahreszeiten bringt die Doshas aus dem Gleichgewicht. Ausgleichende, ausleitende und Ama reduzierende Maßnahmen wie Fasten- und Flüssigkeitstage nach ayurvedischen Regeln sind also gerade in dieser Zeit sinnvoll.

Ayurvedische Mittel für Prophylaxe und Therapie

Weihrauch (Shalaki): entzündungshemmend
Indische Myrrhe (Guggulu), Bio-Triphala
Guggulu: reinigend und entzündungshemmend
Amalaki: gleicht alle 3 Doshas aus, speziell Pitta = Entsäuerung! Blutreinigend
Triphala: gleicht alte 3 Doshas aus = Darmreinigung und Unterstützung des nach unten gerichteten Energieflusses (Apana Vata)
Neem: blutreinigend, entzündungshemmend, antibakteriell, mykotisch, viral
Neem-Tinktur: entzündungshemmend (verdünnt zur Mundspülung)
Ayurvedisches Minzöl: ein Erste-Hilfe-Mittel, um Ama zu reduzieren, die Körperkanäle und Stoffwechselwege (Srotas) zu öffnen
Kapha und Pitta Produkte: Ausgleich der Doshas über die 6 Geschmacksrichtungen (Rasas): süß, sauer, salzig, scharf, bitter, zusammenziehend

Aloe Vera

Für die Reinigung und Förderung der Gesundheit der Zähne und des gesamten Mundes gibt es spezielle Aloe Vera Produkte.

Eine bedeutende Stellung in der Prophylaxe und Therapie nimmt für mich die Aloe Vera ein. Bisher konnten in der Aloe über 450 Wirkstoffe nachgewiesen werden. Aufgrund dieser Vielfalt sind die therapeutischen Möglichkeiten der Aloe von kaum einer anderen Heilpflanze zu überbieten. Die Wirkungen: alle Doshas ausgleichend, besonders Kapha und Pitta, öffnet die Körperkanäle, wundheilend, beschleunigte Bildung neuer Hautzellen, entzündungshemmend, schmerzstillend, blutstillend, herzstimulierend, antibakteriell und antimikrobiell (Bakterien, Mikroben vernichtend), antiviral (Viren vernichtend), antimykotisch (Pilze vernichtend), feuchtigkeitsspendend auf der Haut, Blutgefäße erweiternd, Sehkraft und Immunabwehr stärkend, Blutzuckerspiegel regulierend, blutreinigend, menstruationsfördernd (nicht in der Schwangerschaft, da abortiv), wassertreibend. Darm reinigend, Regulierung der Darmtätigkeit, wirksam gegen Verstopfung, Leber- und Milztonikum, entgiftend, verjüngend, entsäuernd, heilungsfördernd bei Verbrennungen, Sonnenbrand und Strahlenschäden, Verbesserung des allgemeinen Wohlbefindens.

Von den vielen Wirkstoffen der Aloe wird eine Substanz ganz besonders geschätzt: Acemannan, ein Kohlenhydrat aus der Gruppe der Mucopolysaccharide. Kohlenhydrate zählen zu den Hauptnährstoffen des Menschen und werden für alle Stoffwechselvorgänge benötigt. Bis zur Pubertät produziert der menschliche Körper Acemannan selbst, in späteren Jahren kann es nur über die Nahrung aufgenommen werden. Diese wichtige Substanz ist reichlich in der Aloe enthalten. Acemannan kommt auch in anderen exotischen Heilpflanzen wie z.B. Ginseng vor.

Acemannan bewirkt, dass die Aloe Vera chemische Gifte, denen wir täglich ausgesetzt sind sowie alle Schlacken im Darm entsorgt. Durchschnittlich hat jeder von uns 300-400 chemische Substanzen im Körper, die nicht dorthin gehören. Wenn der Darm gut gereinigt wird, können alle Vitamine, Spurenelemente und sonstigen Nährstoffe optimal über die Darmwand aufgenommen werden. Wenn durch Candida-Pilze Toxine, vor allem das Nervengift Acetaldehyd produziert werden, ist Acemannan ebenfalls imstande, diese schädlichen Stoffe zu binden und zu entsorgen. Durch regelmäßige Einnahme von Aloe Vera wird das saure Darmmilieu basisch und somit dem Pilz die Lebensgrundlage entzogen. Von der Darmreinigung profitiert das Immunsystem enorm, denn 80 % der Immunzellen sitzen in der Darmwand.

Die Aloe Vera Kur

Die Aloe Vera Kur verbessert die gesamte Gesundheit und das allgemeine Wohlbefinden. Als Aloe Vera Kur bezeichnet man die Einnahme von 100 ml Aloe Vera Trinkgel pro Tag über einen Zeitraum von 3 Monaten. Es werden 50 ml morgens auf nüchternen Magen und 50 ml abends vor dem Schlafengehen genommen. Wird die Aloe Vera Kur das erste Mal durchgeführt, sollte man folgendes beachten: Da wir mit der Kur einen intensiven Entgiftungsprozess einleiten, sollte nicht sofort mit 100 ml pro Tag begonnen werden, sonst könnte die Reaktion zu heftig und unangenehm sein. Die erste Kur baut sich sinnvollerweise folgendermaßen auf:

Die ersten drei Tage 25 ml morgens (2 Esslöffel).
Wenn diese Dosis gut vertragen wird, nehmen wir am 4., 5. und 6. Tag 25 ml morgens und 25 ml abends.
Bei weiterer guter Verträglichkeit: am 7., 8. und 9. Tag 50 ml morgens und 25 ml abends. Ab dem 10. Tag geht man auf die Kurdosis von 50 ml morgens und 50 ml abends. Wenn man sich nicht gut fühlt, immer die Dosis verringern und die Kur besser in Zusammenarbeit mit einem Therapeuten durchführen.

Wichtig:
Grundsätzlich sollte man Entzündungen nicht allein behandeln, sondern immer einen erfahrenen Therapeuten zu Rate ziehen. Damit es nicht erst soweit kommt empfiehlt der Ayurveda unter anderem die regelmäßige Einnahme von Rasayanas und andere vorbeugende Maßnahmen. Vorbeugen ist besser als Heilen. Treffend hat Eugen Roth es einmal formuliert: ,,Damit es nicht erst kommt zum Knaxe, erfand der Mensch die Prophylaxe, doch lieber beugt der Mensch, der Tor, sich vor der Krankheit als ihr vor.”