Die Honigbiene im Porträt

Aktualisiert: Jan 4

Die Honigbiene im Porträt


Die Honigbiene ist etwas ganz Besonderes: Sie kann nur im Verband existieren und überleben. Eine einzeln gehaltene Honigbiene wird trotz bester Haltung und Pflege schon nach kurzer Zeit sterben.


Die Honigbiene (Apis mellifera) ist etwas ganz besonderes: Sie kann nur im Verband existieren und überleben. Eine einzeln gehaltene Honigbiene wird trotz bester Haltung und Pflege schon nach kurzer Zeit sterben, denn sie benötigt den sozialen Kontakt mit ihren Artgenossen.

Honigbienenvölker sind in der Lage, als Volk mit rund 20.000 Bienen zu überwintern. In dieser Zeit ernähren sie sich von den im Sommer angelegten Honigvorräten (oder von dem anstelle des durch den Imker entnommenen Honigs gefütterten Zuckerwasser). Die Königin bleibt in dieser so genannten Wintertraube stets in der warmen Mitte, denn die Bienen heizen mit ihrer Flugmuskulatur und bewahren das Volk vor dem Erfrieren.

Honigbiene an Schwanenblume - Foto: Helge May Im Frühjahr beginnt mit dem ersten Ausflug (ab zehn Grad Celsius) das Brutgeschäft. Die Königin legt wieder Eier und zwar bis zu 2000 pro Tag. Die daraus schlüpfenden Larven werden von den Arbeiterinnen (deren Zahl im Sommer auf bis zu 60.000 steigt) bis zur Verpuppung gepflegt und gefüttert. Die aus dem Kokons schlüpfende Honigbiene lebt bis zu vier Wochen und wird erst am Ende ihres Lebens zum ersten Mal zum Sammeln ausfliegen. Davor arbeitet sie im Stock als Ammenbiene und beim "Wachschutz".

Honigbienen sind wichtige Bestäuber, insbesondere für die Massentrachten und damit für die Landwirtschaft unentbehrlich. Zahlreiche Nutzpflanzen sind auf ihre Bestäubung angewiesen; der Honig selbst ist zwar ein leckeres, aber im Wert eigentlich unbedeutendes Beiprodukt ihrer Tätigkeit. Leider haben Bienenkrankheiten wie die Varroa-Milbe ihr Überleben ohne imkerliche Pflege unmöglich gemacht. Mit dem Rückgang der Imkerei stirbt also auch die Honigbiene.

Als Konsument kann man dem am besten begegnen, wenn man den Imker vor Ort unterstützt - weder der Honig im Kaufhaus noch der im Bioladen sind so gut wie der vom Imker um die Ecke.


Unverzichtbare Bestäuber in der Obstblüte

Ohne Bienen wenig Obst - Honigbienen alleine reichen nicht


Ein einziges Honigbienenvolk kann pro Tag drei Millionen Obstblüten bestäuben. Sie erzeugen durch ihre gezielte Bestäubung mehr Früchte und eine höhere Qualität. Zwei Millionen Tonnen Äpfel verdanken wir jedes Jahr allein der Bestäubung durch Bienen.


07. Mai 2013 – Ein einziges Honigbienenvolk mit rund 20.000 Flugbienen kann pro Tag drei Millionen Obstblüten bestäuben. „Für die Blüten wird dadurch sichergestellt, dass sie nur mit dem für sie brauchbaren arteigenen Pollen bestäubt werden“, erklärt Katja Burmeister vom NABU Mecklenburg-Vorpommern. „Durch Aufstellen von Honigbienenvölkern und die hohe Wirksamkeit der Bienenbestäubung lässt sich der Ertrag bei Himbeeren und Erdbeeren um 50 Prozent, bei Birnen um 71 Prozent, bei Pflaumen um 75 und Sauerkirschen um 78 Prozent und bei Äpfeln sogar um 86 Prozent steigern.“ Doch die Bienen erzeugen durch ihre gezielte Bestäubung nicht nur mehr Früchte, sondern auch eine nachweisbar höhere Qualität. „Die von Bienen bestäubten Blüten bilden Früchte aus, die größer, schwerer, wohlgeformter sind und einen höheren Fruchtzuckeranteil haben“, so die NABU-Bienenexpertin. „Zwei Millionen Tonnen Äpfel, 360.000 Tonnen Birnen und 250.000 Tonnen Kirschen verdanken wir jedes Jahr allein der Fremdbestäubung durch Bienen.“

Menschen als Ersatzbestäuber

Das weltweit zu beobachtende Bienensterben hat dramatische Auswirkungen, nicht nur für die Bienen, sondern auch für uns Menschen. In einigen Regionen Chinas wird das bereits drastisch sichtbar. Dort bestäuben nicht mehr Bienen die Apfelbäume, sondern Menschen! Mit Wattebäuschchen, Pinseln, selbstgemachtem Werkzeug und mit Pollen gefüllten Medikamentenfläschchen bestäuben sie Millionen Obstblüten per Hand. Der Grund dafür: Es gibt dort keine Bienen mehr! Zu sehen ist dieses Szenario in dem Film „More than Honey“, der sehr anschaulich die Problematik des Bienensterbens darstellt.

„Die Etablierung von Blühstreifen und Hecken, blühende Stilllegungsflächen und Untersaaten, vielfältige Fruchtfolgen, die Förderung von Nistmöglichkeiten für wildlebende Bestäuber sowie ökologische Landwirtschaft können dazu beitragen, dass Wildbienen, Honigbienen und andere Bestäuber wieder bessere Lebensbedingungen erhalten und somit nicht nur ihre Lebensgrundlage, sondern auch die von uns Menschen gesichert ist“, so NABU-Bienenexpertin Katja Burmeister.

Honigbienen alleine reichen nicht aus


Eine internationale Studie hat gezeigt, dass Pflanzen besonders viele Früchte und Samen hervorbringen, wenn möglichst viele unterschiedliche Arten frei lebender Insekten vorhanden sind, wie Wildbienen, Fliegen, Käfer, Schmetterlinge und Vögel. Eine maximale Ernte gibt es also nur mit einer Vielfalt an Bestäubern. Honigbienen können diese wilden Bestäuber nicht ersetzen, sondern lediglich unterstützen. So konnten die Forscher nachweisen, dass der Blütenbesuch der wilden Bestäuber, insbesondere der Wildbienen, doppelt so effektiv ist wie der von Honigbienen. Die Wissenschaftler untersuchten insgesamt 600 Felder mit 41 Nutzpflanzenarten aus 20 Ländern. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Science erschienen.

„Die Ergebnisse machen deutlich, dass eine ertragreiche Landwirtschaft nicht ohne Artenvielfalt auskommt“, so Prof. Dr. Teja Tscharntke, Leiter der Abteilung Agrarökologie der Universität Göttingen. „Es wäre sehr riskant, sich bei der Bestäubung von Nutzpflanzen alleine auf die vom Menschen gemanagten Honigbienen zu verlassen, deren Anzahl durch Parasiten und Pestizide in jüngerer Zeit stark beeinträchtigt wurde. Konzepte zur Förderung weltweiter Nahrungsmittelsicherheit sollten auch den Schutz frei lebender Bestäuber, namentlich der Wildbienen, berücksichtigen.“


Reiche Ernte dank Wildbienen-Bestäubung

Wilde Honigbienen-Verwandtschaft erweist sich als besonders effektiv


Erdbeeren und Kirschen, Raps, Kaffee und Wassermelonen bringen besonders reichen Ertrag, wenn sie von Wildbienen bestäubt werden. Eine internationale Studie zeigt, dass die wildlebende Verwandtschaft effektiver arbeitet als die „herkömmlichen“ Honigbienen.


01. März 2013 - Etwa ein Drittel der weltweiten Nahrungsmittelproduktion wird von Bestäubung beeinflusst. Herrscht Mangel an Bestäubern, fallen die Ernten gering aus. Dabei spielen Wildbienen eine weitaus größere Rolle als bislang angenommen. Das berichtet ein internationales Forschungsteam in der Zeitschrift „Science“. Die weit verbreitete Annahme, die Bestäubung durch „domestizierte“ Honigbienen reiche aus, um hohe landwirtschaftliche Erträge zu sichern, stimmt demnach nicht.

Die Studie unter Federführung der Universitäten Lüneburg, Würzburg und Rio Negro (Argentinien) zeigt: Die Artenvielfalt in Agrarlandschaften hat weltweit eine große Bedeutung für die Sicherung der landwirtschaftlichen Erträge. Die Forscher untersuchten Äcker in 19 Ländern, von Kaffee- und Kürbisplantagen in Indonesien bis hin zu Erdbeerfeldern und Kirschbäumen in Südniedersachsen. Protokolliert wurden Häufigkeit und Artenvielfalt der blütenbesuchenden Insekten sowie der Fruchtansatz zur Ernte

Wildbienen bringen besseren Fruchtsatz „Das Ergebnis unserer Arbeit ist erstaunlich“, erklärt Alexandra-Maria Klein vom Institut für Ökologie der Uni Lüneburg. „Wildlebende Insekten haben in allen Anbausystemen einen positiven Effekt auf den Fruchtansatz. Eine größere Zahl von Honigbienen erzielt diesen Effekt nur bei 14 Prozent der untersuchten Anbauten.“ Anders gesagt: 100 Honigbienen plus 50 Wildbienen bestäuben ein Feld viel effektiver als 150 Honigbienen. Wildlebende Insekten erreichen mit der gleichen Zahl von Blütenbesuchen einen doppelt so hohen Fruchtansatz wie Honigbienen.

Pollenuntersuchungen in einem Teil der Anbausysteme lassen vermuten, dass die höhere Effizienz der wildlebenden Insekten nicht durch eine größere Menge, sondern durch eine bessere Qualität der transportierten Pollen zustande kommt. Die gängige Praxis, gezielt Honigbienen in Kulturen wie Raps, Erdbeeren, Äpfeln, Mandeln oder Wassermelonen einzubringen, sichert demnach nur einen Grundertrag.

Wildlebende Insekten in Agrarlandschaften fördern Wildlebende Insekten brauchen natürliche Ressourcen wie Nahrung und Nistplätze. Diese sind in einer von industrieller Landwirtschaft geprägten Agrarlandschaft nicht ausreichend vorhanden. „Das bedeutet, dass wir uns Gedanken darüber machen müssen, wie wir wildlebende Insekten in Agrarlandschaften fördern können“, erläutert Klein. „Es wäre sehr riskant, sich bei der Bestäubung von Nutzpflanzen alleine auf die vom Menschen gemanagten Honigbienen zu verlassen, deren Anzahl durch Parasiten und Pestizide in jüngerer Zeit stark beeinträchtigt wurde“, bekräftigt Teja Tscharntke, Leiter der Abteilung Agrarökologie der Uni Göttingen.

In der Praxis fordert das Ergebnis der Studie den Schutz und die Renaturierung naturnaher Lebensräume, blütenreichere Landschaften sowie größtmögliche Effizienz und Vorsicht beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. „Die Etablierung von Blühstreifen und Hecken, blühende Stilllegungsflächen und Untersaaten, vielfältige Fruchtfolgen, die Förderung von Nistmöglichkeiten für wildlebende Bestäuber sowie ökologische Landwirtschaft können dazu beitragen“, so Steffan-Dewenter.

Originalveröffentlichung: Lucas A. Garibaldi et al.: Wild pollinators enhance fruit set of crops regardless of honey-bee abundance. Science Express online (28 Feb 2012). Doi: 10.1126/science.1230200.


Honig vom Balkon

In der Stadt werden immer mehr Bienen gehalten


„Es gibt kaum einen besseren Ort als die Stadt, um Bienen zu halten“, meint Erhard Maria Klein. Klein ist Freizeit-Imker in Hamburg und damit Teil einer internationalen Bewegung. Ob in New York, Paris oder Berlin – überall in den Metropolen boomt die Stadt-Imkerei.


Ihren Nektar holen sich die Bienen von Erhard Maria Klein auf Balkonen, in begrünten Innenhöfen, von benachbarten Schrebergärten oder aus dem nahegelegenen Stadtpark. Mit dem Häusermeer der Großstadt sind die Tiere vertraut; unbeirrt vom Verkehrslärm fliegen sie ihre Futterplätze an. Das Angebot ist reichhaltig: „Es gibt kaum einen besseren Ort als die Stadt, um Bienen zu halten“, sagt Klein. Der 41-Jährige ist Freizeit-Imker in Hamburg und damit Teil einer internationalen Bewegung. Ob in New York, Paris oder Berlin – überall in den Metropolen boomt die Stadt-Imkerei.

Die Honigbiene zieht es vom Land in die Stadt. Denn auf dem Land herrscht agrarindustrielle Ödnis: Hecken, Kleingehölze, Waldstücke und Bachränder wurden im Zuge der Flurbereinigung systematisch gerodet und es entstanden weite, eintönige Agrarflächen – gut für großräumige Monokulturen, schlecht für Bienen. Denn Monokulturen werden binnen weniger Tage abgeerntet. Schlagartig entstehen grüne Wüsten, in denen die Bienen weder Pollen noch Nektar finden. Hinzu kommt, dass die Bauern weniger Zwischenfrüchte kultivieren und ihre Wiesen oft schon vor der Blüte mähen. In manchen Regionen finden Bienen bereits im Juli nur noch blütenfreie Flächen vor. „Auf dem Land hungern die Bienen“, sagt Manfred Hederer, Präsident der deutschen Berufsimker. „Manche Völker sterben mitten im Sommer.“

Nachwuchs gesucht Anders in der Stadt: Hier locken begrünte Dachterrassen, Kleingärten, ungedüngte Blumenwiesen, Brachflächen und aufgelassene Friedhöfe mit einem Nahrungsangebot sondergleichen. Irgendwas blüht immer in der Stadt. Weil das Blütenangebot hier vielfältiger ist und der Pestizid-Einsatz gering, sind Stadtbienen gesünder als ihre Schwestern auf dem Land. Das macht sie widerstandsfähiger gegen die Varroa-Milbe, ihren größten Feind. Die Milbe verbeißt sich im Pelz der Bienen und saugt ihr Blut. Die Tiere werden anfällig gegen Infektionen, viele überstehen den Winter nicht.


Der aus Asien eingeschleppte Blutsauger treibt seit etwa 30 Jahren sein Unwesen in Europa. In manchen Wintern verendet in Deutschland fast ein Drittel aller Bienenvölker. Varroa gilt als eine der Hauptursachen. Die Bienen sind der Killer-Milbe fast hilflos ausgeliefert; nur der Mensch kann sie schützen: „Mittlerweile hängt der Fortbestand der Honigbiene existenziell vom Imker-Nachwuchs ab“, sagt Erhard Maria Klein. Doch um den ist es schlecht bestellt: In den vergangenen 60 Jahren hat sich die Zahl der Imker mehr als halbiert. Hinzu kommt die Überalterung des Berufsstandes – es dominiert die Generation 60 Plus.

Bienen in der Kiste Um Bienen zu halten, braucht man nicht viel Aufwand zu treiben. Es genügt eine Holzkiste, einen Meter lang, einen halben Meter breit, 20 Zentimeter hoch, die praktisch überall aufgestellt werden kann: im Kleingarten, auf der Dachterrasse, auf dem Balkon. Die Idee für die „Bienenkiste“ stammt von Klein: „Die Konstruktion kommt dem natürlichen Verhalten der Bienen entgegen“, erläutert der Imker. „Das macht die Kiste pflegeleicht.“ Klein veranschlagt den Zeitaufwand auf zwölf Stunden pro Bienenvolk und Jahr. Als Lohn winken bis zu 15 Kilo Honig. Weil sich die „Bienenkiste“ als niederschwelliges Angebot dazu eignet, auch Laien für die Imkerei zu begeistern, hat der NABU Hamburg Erhard Maria Klein mit dem Hanse-Umweltpreis ausgezeichnet.

„Die Bienenkiste ist ein in sich geschlossenes System – ideal für Anfänger“, sagt Ulrich Miller, Nebenerwerbsimker in Freising bei München. Sie erlaube eine „wesensgemäße“ Bienenhaltung, die weitgehend ohne störende Eingriffe in die natürlichen Lebensabläufe auskomme. Beispiel Wabenbau: In der Bienenkiste legen die Tiere ihre Waben selbst an. „Keine Wabe gleicht der anderen“, sagt Miller. In der konventionellen Imkerei werden dagegen Wachsplatten mit vorgegebenen Zellstrukturen verwendet. In der Bienenkiste dürfen die Tiere am Ende des Bienenjahres ihren Honig behalten; geerntet wird nur, was sie im hinteren Teil, der sogenannten Honigkammer, eingelagert haben. Konventionelle Imker füttern ihre Bienen dagegen nach der Honigernte mit Zuckerwasser.

Schwärmen unerwünscht Auch der Schwarmtrieb der Bienen ist in der konventionellen Imkerei unerwünscht. „Schwärmen schmälert den Ertrag“, sagt Miller, der seine Bienen nach ökologischen Kriterien hält und sie deshalb Schwärmen lässt, wenn die Zeit reif ist. Wird es eng im Nest, zieht im Frühjahr die Königin mit einem Teil der Bienen aus, um ein neues Volk zu gründen. Auf der Suche nach einem Unterschlupf sammeln sich die Bienen dann in einer dicken Traube an Bäumen oder Laternenmasten. Wer will, kann sich jetzt bedienen: Man sprüht den Schwarm zur Beruhigung mit einem Wasserzerstäuber ein, stellt eine Kiste darunter, schlägt auf den Ast und wartet ab, bis alle Bienen in der Kiste sind. Laut Bürgerlichem Gesetzbuch gehört ein herrenloser Bienenschwarm demjenigen, der ihn einfängt.



Mythos Honig

Ein Naturprodukt zwischen Götternahrung und Gentechnik


Auch heute noch haftet dem Honig der Ruf des flüssigen Goldes an, das nicht nur lecker schmeckt, sondern obendrein auch noch gesund und der Schönheit förderlich sein soll. Doch was ist dran am Mythos Honig?


Schon im Alten Testament schürte die Sage vom Land, wo Milch und Honig fließen, die Sehnsucht nach paradiesischen Verheißungen ewigen Überflusses und Wohlbefindens. Und auch heute noch haftet dem Honig der Ruf des flüssigen Goldes an, das nicht nur lecker schmeckt, sondern obendrein auch noch gesund und der Schönheit förderlich sein soll. Doch was ist dran am Mythos Honig, der einst als Götternahrung verehrt wurde und heute auf keinem Frühstücksbrötchen fehlen darf?

Als Tränen ihres Sonnengottes Ra sollen die alten Ägypter den Honig verehrt haben. Und so überrascht es nicht, dass Archäologen in den Grabkammern der Pharaonen die süße Beigabe fürs Jenseits entdeckten. Den Göttern der griechischen Antike sollte Honig gar Unsterblichkeit verleihen, während die Römer, eher dem Irdischen zugeneigt, auf die angeblich potenzsteigernde Wirkung des göttlichen Nektars setzten. Selbst die entlegensten Zeugnisse der Geschichte werden eifrig bemüht, wenn es darum geht, den Honig zu vermarkten: sei es als natürlichen Brotaufstrich, zur Schönheitspflege in Kosmetika oder neuerdings wieder verstärkt als Heilmittel.

Weltmeister Deutschland Dabei gelten die Deutschen längst als Weltmeister im Verzehr von Honig. Pro Kopf vernaschen sie im Durchschnitt knapp anderthalb Kilogramm im Jahr. Rund 700.000 Bienenvölker, die von den etwa 75.000 Hobby- und Erwerbsimkern in Deutschland bewirtschaftet werden, sorgen für steten Nachschub. Mit rund 20.000 Tonnen pro Jahr wird jedoch nur etwa ein Fünftel des Honigbedarfs der Deutschen aus heimischer Produktion gedeckt. 85 Prozent des in Deutschland produzierten Honigs landet auf dem Frühstückstisch, der Rest wird von der Industrie bei der Herstellung von Back- und Süßwaren verwendet.


Aus ernährungsphysiologischer Sicht schneidet der süße Brotaufstrich, der zu etwa 80 Prozent aus unterschiedlichen Zuckerarten und zu rund 20 Prozent aus Wasser besteht, kaum besser ab als gewöhnlicher Haushaltszucker. Die nur in geringen Mengen vorhandenen Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente leisten einen eher unbedeutenden Beitrag zur Deckung des täglichen Bedarfs.

Genpollen im Honig Den Honiggenuss dürfte künftig auch der Einzug der Gentechnik in die Landwirtschaft schmälern. Kommen gentechnisch veränderte Nutzpflanzen wie Raps und Mais erst einmal großflächig zum Einsatz, werde sich Honig ohne gentechnische Verunreinigungen auf Dauer kaum noch produzieren lassen, befürchten die deutschen Imker. Schließlich unterscheiden die emsigen Bienenvölker nicht, ob sie sich auf den Blüten gentechnisch manipulierter oder herkömmlicher Pflanzen niederlassen.

Zwar darf in Deutschland bislang nur gentechnisch veränderter Mais landwirtschaftlich genutzt werden, während Raps lediglich auf Versuchsfeldern ausgesät wird. Dass die Existenzängste der Imker dennoch nicht unbegründet sind, zeigte sich bei Honig aus Kanada, wo bereits 40 Prozent des Rapses aus genmanipulierten Pflanzen stammt: Im kanadischen Honig ließen sich die Pollen der Gen-Pflanzen bereits nachweisen. Verunsicherung herrscht deshalb auch bei den Verbrauchern. Denn für gentechnisch verunreinigten Honig gilt nach EU-Recht keine Kennzeichnungspflicht.

Nicht nur Zucker und Wasser In jüngster Zeit hat das Image des Honigs als gesunder Brotaufstrich erheblich gelitten. Und das, obwohl laut Honigverordnung im Naturprodukt Honig eigentlich nichts anderes sein darf als eben Honig. Die Realität sieht anders aus. So erhielten von 34 im Jahr 2004 im Auftrag der Stiftung Warentest untersuchten Honigen - bei denen es sich in der Mehrzahl um Importprodukte aus dem Ausland handelte - 8 die Note "mangelhaft".

Den Genuss trübten unter anderem Rückstände der Antibiotika Nitrofuran, Streptomycin und Tetracyclin. Vier Honige, darunter zwei Bio-Erzeugnisse, waren so stark mit Antibiotika belastet, dass sie nach Ansicht der Experten nicht hätten verkauft werden dürfen. Bei anderen der getesteten Honige entdeckten die Wissenschaftler Rückstände des Bienenvertreibungsmittels Phenylacetaldehyd, das von den Imkern bei der Honigernte verwendet wird, um ohne Stiche an den Honig zu kommen. In neun Fällen deckten die Laborbefunde überdies dreisten Etikettenschwindel auf: Teure Sortenhonige erwiesen sich als schlichte Blütenhonige.

Honig statt Wundverband Eine Renaissance erlebt der Honig derzeit in der Medizin, nachdem er lange Zeit allenfalls in der Hausapotheke bei Husten und Heiserkeit eine Rolle spielte. Ob bei der Behandlung von Haut- und Magen-Darmerkrankungen, Zahnfleischentzündungen oder erhöhten Blutfettwerten, die moderne Medizin besinnt sich immer häufiger auf die schon bei Hippokrates und Paracelsus beschriebene Heilwirkung des zähflüssigen Naturprodukts.

In mehr als einem Dutzend Kliniken in Deutschland kommt Honig als Mittel zur Wundheilung inzwischen zum Einsatz. Die im Honig enthaltenen Substanzen haben sich als effektives Mittel gegen Keime und Bakterien erwiesen. Sie wirken auch da, wo moderne Antibiotika versagen. "Bei der Wundheilung ist Honig besser als jeder andere Wundverband", betont der Gießener Mediziner Professor Karsten Münstedt. Zur Anwendung kommt dabei aber nicht der Honig aus dem Supermarkt, sondern ein spezieller medizinischer Honig.

Münstedt warnt aufgrund der Erfahrungen aus der klinischen Praxis jedoch davor, die süße Substanz als "Alternative zu etablierten Therapiekonzepten zu betrachten". Denn mit Ausnahme der Anwendung von Honig bei Wundheilungsstörungen und Verbrennungen habe bislang keines der sonstigen Anwendungsgebiete "vor einem kritischen Auge Bestand". Allerdings hält der Professor auch bei Magen- und Darmerkrankungen sowie im Hinblick auf eine mögliche Blutfett senkende Wirkung weitere klinische Studien zum Einsatz von Honig durchaus für sinnvoll.

8 Ansichten