Pranayama für Nadi-Shuddhi

Pranayama für Nadi-Shuddhi

Vayu (Lebensenergie) kann nicht in die Nadis eintreten, wenn sie voller Unreinheiten sind. Daher sollten sie zu allererst gereinigt und dann Pranayama geübt werden. Die Nadis werden durch zwei Prozesse gereinigt, nämlich, Samanu und Nirmanu. Samanu entspricht einem geistigen Prozeß, bei dem Bija Mantras wiederholt werden. Nirmanu entspricht einer physischen Reinigung oder den Shatkarmas (sechs Reinigungsprozesse im Hatha Yoga).

1. Sitze in Padmasana. Meditiere über das Bijakshara (Samenmantra) von Vayu (Luftelement), Yam, das von rauchiger Farbe ist. Atme durch das linke Nasenloch ein. Wiederhole das Bijakshara 16 Mal. Dies ist Puraka (Einatmen). Halte den Atem an, bis Du das Bija 64 Mal wiederholt hast. Dies ist Kumbhaka (Anhalten). Atme dann sehr sehr langsam durch das rechte Nasenloch aus, bis Du das Bijakshara 32 Mal wiederholt hast. Dies ist Rechaka (Ausatmen).

2. Der Nabel ist der Sitz von Agnitattwa(das Feuerelement). Meditiere über dieses Agnitattwa. Ziehe die Luft durch das rechte Nasenloch ein, während Du 16 Mal das Agni Bija, Ram, wiederholst. Halte den Atem an, bis Du das Bija 64 Mal wiederholt hast. Atme dann langsam durch das linke Nasenloch aus, bis Du das Bija geistig 32 Mal wiederholt hast.

3. Fixiere den Blick auf die Nasenspitze. Atme durch das linke Nasenloch ein und wiederhole das Chandra (Mond) Bija, Tham, 16 Mal. Halte den Atem an, bis Du das Bija 64 Mal wiederholt hast. Stell Dir vor, daß der Nektar, der aus dem Mond herausfließt, durch alle Gefäße Deines Körpers strömt und sie reinigt. Atme dann langsam durch das rechte Nasenloch aus, bis Du das Prithivi Bija (Lam) 32 Mal wiederholt hast.

Durch die Übung der oben dargestellten drei Arten von Pranayama werden die Nadisgründlich gereinigt. Sitze dabei in Deiner normalen Stellung.

Mantra während Pranayama

Das Mantra für die Wiederholung während des Pranayamas ist in der Ishwara Gita niedergelegt: “Wenn der Aspirant, seinen Atem anhaltend, das Gayatri dreifach, am Anfang auch zusammen mit den Vyahritis, den Siras am Ende und das Pranava jeweils einmal an beiden Enden wiederholt, so nennt man dies Kontrolle des Atems”.

Yogi Yajnavalkya andererseits erklärt folgendermaßen: “Um den aufwärtsgerichteten Atem und den abwärts gerichteten Atem zu beherrschen, soll der Atem mit dem Mantra OM als Maßeinheit kontrolliert werden.”

Die Wiederholung des Pranava alleine, ist für Paramahamsa Sannyasins (die höchste Klasse von Sannyasins) gedacht. Es ist in den Smritis (Schriften) dargelegt worden, daß gewöhnliche Kontemplation durch Einatmung und durch andere Phasen der Atemkontrolle (im Bereich des Nabels, Herz und Stirn, in Bezug auf die Formen von Brahma, Vishnu bzw. Shiva) geübt werden soll. Für den Paramahamsa jedoch wurde Brahman als das alleinige Objekt der Kontemplation dargelegt. “Der selbstbeherrschte Asket soll mit Hilfe des Pranava über das höchste Brahman nachsinnen” erklärt die Shruti (Schrift).

Übung Nr. 1

Sitze in Padamasana. Schließe Deine Augen. Konzentriere Dich auf Trikuti (den Raum zwischen den beiden Augenbrauen). Schließe das rechte Nasenloch mit Deinem Daumen. Atme langsam und so lange wie Du bequem kannst durch das linke Nasenloch ein. Atme dann sehr, sehr langsam durch das gleiche Nasenloch aus. 12 x wiederholen entspricht einer Runde. Atme dann durch Verschließen des linken Nasenlochs mit Ring- und kleinem Finger der rechten Hand durch das rechte Nasenloch ein und durch das gleiche Nasenloch sehr langsam aus. 12 x wiederholen entspricht einer Runde. Die Ein- und Ausatmung sollte geräuschlos sein. Wiederhole während der Übung Dein Ishta Mantra. In der zweiten Woche zwei und in der dritten Woche drei Runden üben. Mach eine Pause von zwei Minuten wenn eine Runde vorüber ist. Falls Du nach Abschluß einer Runde einige normale Atemzüge tätigst, wird Dir dies genügend Ruhe geben, um für die nächste Runde frisch zu sein. In dieser Übung gibt es kein Kumbhaka (Anhalten). Du kannst die Zahl der Runden entsprechend Deiner Stärke und Deiner Fähigkeit steigern.

Übung Nr. 2

Atme langsam und ruhig durch beide Nasenlöcher ein. Den Atem nicht anhalten, langsam ausatmen. Eine Runde besteht aus 12 Wiederholungen. Entsprechend Deiner Fähigkeit, Stärke und Zeit kannst Du zwei oder drei Runden praktizieren.

Übung Nr. 3

Setze Dich in Deinen Sitz (Asana). Schließe das rechte Nasenloch mit Deinem rechten Daumen. Atme dann langsam durch das linke Nasenloch ein. Schließe das linke Nasenloch mit Ringfinger und kleinem Finger der rechten Hand und öffne das rechte Nasenloch durch Entfernen des rechten Daumens. Atme sehr langsam durch das rechte Nasenloch aus. Zieh dann die Luft durch das rechte Nasenloch ein, solange wie Du bequem kannst und atme durch das linke Nasenloch aus, indem Du Ringfinger und kleinen Finger der rechten Hand entfernst. In diesem Pranayama gibt es kein Kumbhaka (Anhalten). 12 x wiederholen entspricht einer Runde.


Übung Nr. 4

Meditiere darüber, daß der eine Buchstabe, das höchste Licht - Pranava , OM - der Ursprung oder die Quelle der drei Buchstaben A, U und M ist. Atme die Luft durch Ida (das linke Nasenloch) über die Zeitspanne von 16 Matras (Sekunden) ein, meditiere während dieser Zeit über den Buchstaben A; halte die Luft für die Zeit von 64 Matras an, meditiere während der Zeit über den Buchstaben U; atme durch das rechte Nasenloch für die Zeit von 32 Matras aus und meditiere während dieser Zeit über den Buchstaben M. Übe dies immer wieder in der oben genannten Reihenfolge. Beginne mit 2 oder 3 Wiederholungen und steigere Dich allmählich auf 20 oder 30, entsprechend Deiner Fähigkeit und Stärke. Halte am Anfang den Rhythmus 1:4:2 ein. Steigere das Verhältnis allmählich auf 16:64:32.


Tiefenatmung

Jeder tiefe Atemzug besteht aus einer vollständigen Einatmung durch die Nase und einer ebenso tiefen und gleichmäßigen Ausatmung durch die Nase. Atme so langsam wie Du kannst ein. Atme so langsam wie Du kannst aus. Beachte während der Einatmung die folgenden Regeln:

1. Steh auf. Halte die Hände an den Hüften, die Ellbogen zeigen nach außen, jedoch nicht nach hinten gezwungen. Stehe bequem.

2. Strecke den Brustkorb gerade nach oben. Drücke die Hüftknochen mit den Händen nach unten. Durch diesen Vorgang wird ein Vakuum erzeugt und die Luft wird von alleine einströmen.

3. Halte die Nasenlöcher weit geöffnet. Benutze die Nase nicht wie eine Saugpumpe. Sie sollten ein passiver Durchgang sowohl für die eingeatmete als auch für die ausgeatmete Luft sein. Erinnere dich, daß korrekte Atmung geräuschlos ist.

4. Strecke den gesamten oberen Teil des Rumpfes.

5. Wölbe die obere Brust in eine unverkrampfte Haltung. Halte den Bauch natürlich entspannt.

6. Beuge den Kopf nicht zu weit nach hinten. Ziehe den Bauch nicht ein. Ziehe die Schultern nicht nach oben.

Beachte während der Ausatmung sorgfältig folgende Regeln:

1. Laß die Rippen und den gesamten oberen Teil des Rumpfes allmählich nach unten sinken.

2. Ziehe die unteren Rippen und den Bauch langsam nach innen.

3. Beuge den Körper nicht zu weit nach vorne. Eine Wölbung des Brustkorbs sollte vermieden werden. Halte Kopf, Nacken und den Rumpf in einer geraden Linie. Ziehe den Brustkorb zusammen. Atme die Luft nicht durch den Mund aus. Atme sehr langsam und geräuschlos aus.

4. Die Ausatmung findet durch Entspannung der Muskeln statt, die bei der Einatmung angespannt wurden. Der Brustkorb fällt durch sein Eigengewicht nach unten und man stößt die Luft durch die Nase aus.

5. Halte am Anfang den Atem nach der Einatmung nicht an. Nach der Einatmung erfolgt augenblicklich die Ausatmung. Wenn Du fortgeschritten bist, kannst Du entsprechend Deiner Fähigkeit den Atem langsam von 5 Sekunden bis zu einer Minute anhalten.

6. Wenn eine Runde der Tiefenatmung vorüber ist, kannst Du eine kurze Atempause machen, dabei normal atmen. Beginne dann mit der zweiten Runde. Stehe während der Pause ruhig und in einer bequemen Stellung, mit den Händen auf den Hüften. Die Anzahl der Runden kann individuell (entsprechend der Fähigkeit) festgelegt werden. 3 oder 4 Runden ausführen, jede Woche um eine Runde steigern. Die Tiefenatmung ist nur eine Spielart des Pranayamas.

Kapalabhati

Kapala’ ist ein Sanskrit-Wort; es bedeutet Schädel. ‘Bhati’ bedeutet scheinen. Der Ausdruck Kapalabhati bezeichnet eine Übung, die den Schädel zum Scheinen bringt. Diese Kriya reinigt den Schädel. Sie ist eine der Shat-Karmas (sechs Reinigungsübungen im Hatha Yoga).

Sitze in Padmasana (Lotussitz). Halte die Hände auf den Knien. Schließe die Augen. Führe Puraka (Einatmen) und Rechaka (Ausatmen) schnell und kraftvoll ausBei dieser Übung beginnt man zu schwitzen. Denjenigen, die in Kapalabhati sehr erfahren sind, fällt Bhastrika sehr leicht. In diesem Pranayama gibt es kein Kumbhaka (Anhalten). Rechaka (Ausatmen) spielt die dominierende Rolle. Puraka (Einatmen) ist sanft, langsam und lang (Dirgha). Rechaka (Ausatmen) sollte jedoch schnell und forciert ausgeführt werden, durch Kontraktion der Bauchmuskeln mit einem nach hinten gerichteten Schub. Entspanne während des Purakas (Einatmen) Deine Bauchmuskeln. Der Kopf sollte nicht gebeugt und die Wirbelsäule nicht gekrümmt sein. Kopf und Rumpf sollten aufgerichtet sein. Plötzliche Ausstöße des Atems folgen aufeinander wie in Bhastrika. Zu Beginn kannst Du mit einer Ausatmung pro Sekunde starten. Allmählich kannst Du dann zwei Ausatmungen pro Sekunde machen. Morgens mit einer Runde von 10 Ausatmungen starten. In der zweiten Woche eine Runde am Abend praktizieren. In der dritten Woche zwei Runden am Morgen und zwei Runden am Abend ausführen. Steigere Dich jede Woche allmählich und vorsichtig um jeweils 10 Ausatmungen pro Runde, bis Du 120 Ausatmungen pro Runde erreichst.

Die Übung reinigt das Atmungssystem und die nasalen Atemwege. Es beseitigt Verkrampfungen der Bronchien. Als Folge verschafft es Abhilfe bei Asthma und kann diese Krankheit im Laufe der Zeit auch heilen. Die Lungenspitzen werden gründlich mit Sauerstoff versorgt. So können sie keine Brutstätten für Tuberkulose-Bakterien bieten. Schwindsucht wird durch diese Übung geheilt. Die Lungen werden beachtlich entwickelt. Kohlendioxid wird in großem Ausmaß vermindert. Unreinheiten des Blutes werden ausgesondert. Gewebe und Zellen absorbieren eine große Menge von Sauerstoff. Der Übende bleibt gesund. Das Herz funktioniert ordentlich. Der Kreislauf und die Atmung werden angeregt.

Das äußere Kumbhaka (Bahya)

Atme durch das linke Nasenloch ein, bis Du 3 x OM abgezählt hast. Atme anschließend sofort die Luft ohne anzuhalten durch das rechte Nasenloch aus, während Du 6 x OM wiederholst. Halte nach dem Ausatmen die Luft an, bis Du 12 x OM abgezählt hast. Ziehe dann die Luft durch das rechte Nasenloch ein, atme durch das linke aus, wobei Du die gleiche Zahl von OMs für Einatmung, Ausatmung und Anhalten verwendest wie zuvor. Mache sechs Wiederholungen am Morgen und sechs am Abend. Steigere allmählich die Zahl der Runden und die Zeit des Kumbhakas (der Anhaltung). Man sollte sich dabei nicht selbst unter Druck setzen.


Leichtes, angenehmes Pranayama (Sukha Purvaka)

Setze Dich in Deinem Meditationsraum in Padmasana oder Siddhasanavor das Bild einer Ishta Devata (führenden Gottheit).Schließe das rechte Nasenloch mit dem rechten Daumen. Ziehe die Luft sehr langsam durch das linke Nasenloch ein. Schließe dann das linke Nasenloch mit dem kleinen Finger und dem Ringfinger der rechten Hand. Halte die Luft solange an, wie es bequem geht. Atme dann sehr langsam durch das rechte Nasenloch aus, nachdem Du den Daumen beiseite genommen hast. Nun ist der halbe Vorgang abgeschlossen. Ziehe dann die Luft durch das rechte Nasenloch ein. Halte die Luft wie zuvor an und atme durch das linke Nasenloch sehr langsam aus. Diese sechs Teilschritte zusammengenommen bilden ein Pranayama. 20 x morgens und abends wiederholen, die Anzahl allmählich steigern. Habe die Bhava (geistige Einstellung), daß alle Daivi Shampat (göttlichen Eigenschaften), z.B. Barmherzigkeit, Liebe, Vergebung, Shantih, Freude etc. mit der Luft in Dich eindringen und alle Asuri Shampat (teuflischen Eigenschaften) wie sinnliche Begierde, Zorn, Habgier u.s.w. mit der ausgeatmeten Luft ausgestoßen werden. Wiederhole geistig OM oder Gayatri während Puraka (Einatmen), Kumbhaka (Anhalten) und Rechaka (Ausatmen). Intensiv praktizierende Sadhakas können täglich 320 Kumbhakas in vier Sitzungen ausführen, mit jeweils 80 Wiederholungen pro Sitzung.

Dieses Pranayama beseitigt alle Krankheiten, reinigt die Nadis, stärkt den Geist in Konzentration, verbessert die Verdauung, vermehrt das Verdauungsfeuer und den Appetit, hilft Brahmacharya einzuhalten und erweckt die Kundalini, die im Muladhara Chakra schläft. Die Reinigung der Nadis erfolgt sehr rasch. Du kannst auch Levitation (Schweben über dem Boden) erfahren.


Pranayama für das Erwecken der Kundalini

Konzentriere Dich beim Praktizieren der folgenden Übung auf das Muladhara Chakra am unteren Ende der Wirbelsäule; es ist von dreieckiger Form und ist der Sitz der Kundalini Shakti. Schließe mit Deinem rechten Daumen das rechte Nasenloch. Atme durch das linke Nasenloch ein, bis Du 3 x OM langsam gezählt hast. Stell Dir vor, dass Du das Prana mit der Luft aus der Atmosphäre hineinziehst. Schließe dann das linke Nasenloch mit kleinem Finger und Ringfinger der rechten Hand. Halte dann den Atem für 12 x OM an. Schicke den Energiestrom die Wirbelsäule hinunter, direkt zum dreieckigen Lotus, zum MuladChakrahara . Stell Dir vor, daß der Nervenstrom gegen den Lotus stößt und die Kundalini erweckt. Atme dann langsam durch das rechte Nasenloch aus, wobei Du 6 x OM abzählst. Wiederhole den Prozeß wie oben aufgeführt beginnend mit dem rechten Nasenloch, benutze die gleichen Zeiteinheiten, Vorstellungen und Empfindungen. Dieses Pranayama wird die Kundalini rasch erwecken. 3 x morgens und abends wiederholen. Steigere die Zahl der Wiederholungen und die Zeitdauer allmählich, entsprechend Deiner Stärke und Deinen Fähigkeiten. Bei diesem Pranayama ist die Konzentration auf das Muladhara Chakra der entscheidende Punkt. Die Kundalini wird rasch erweckt werden, wenn ein hohes Maß an Konzentration besteht und das Pranayama regelmäßig praktiziert wird.

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